Dieser Blogartikel handelt nicht von einem ehemaligen Sektenmitglied und seinem Ausstieg aus einer destruktiven Gemeinschaft. Dem Katholizismus bin ich in meinen frühen Teenie-Tagen entflohen und zurzeit gehöre ich der eher handzahmen Sekte Nerds an.

Sekten, ihre Gruppendynamiken und die Personen, die hinter diesen Gemeinschaften stehen, ziehen nicht nur ihre Anhänger in den Bann. Bücher Filme Serie und andere Medien gestatten uns Einblicke in die Gemeinschaften, die wir Außenstehende nicht verstehen. Plötzlich macht es Sinn, warum Mitglieder in der Gruppe bleiben, obwohl sie sich oft von harmlosen Gemeinschaften in destruktive Kulte verwandeln.

Sekte, destruktiver Kult oder religiöse Gemeinschaft?

In meiner Einleitung habe ich den Katholizismus ebenfalls als Sekte bezeichnet und viele empfinden kaum einen Unterschied zwischen „Sekte“ und „echter Religion“. Als nichtreligiöse Person auf dem Agnostizismus-Atheismus-Spektrum ist dieser Gedanke nachvollziehbar für mich. Dennoch plädiere ich für eine Unterscheidung.

Das Wort „Sekte“ hat einen wertneutralen Ursprung und wird im etymologischen Wörterbuch so definiert: „Religiöse Gruppe, die sich von einer größeren Glaubensgemeinschaft abgespalten hat.“ Mittlerweile wird der Begriff „Sekte“ vor allem abwertend verwendet. Zu einer groben Definition im negativen Sinn gehört, dass von Sekten Gefahren ausgehen und ihre Mitglieder ein großes Stück ihrer Freiheit hergeben. Das gilt für Abspaltungen von traditionellen Religionen (z.B. Mormonentum) oder für neue religiöse Gruppen (z.B. Scientology).

Wichtig im Zusammenhang mit der negativen Bedeutungserweiterung des Begriffs „Sekte“ sind mediale Berichterstattungen seit den Siebzigern. Todesfälle von Sektenmitgliedern (z.B. Peoples Temple, Heaven’s Gate) oder Anschläge auf Menschen außerhalb der Gruppen (z.B. Ômu Shinrikyô, Divine Light Zentrum) waren Teil der Abendnachrichten.

Wie wird man Teil einer Sekte?

Egal wie schwierig eine korrekte Definition sein mag, für viele Menschen sind Sektenmitglieder einfach nur Spinner, die einem Anführer folgen und Opfer einer Gehirnwäsche sind. Von außen betrachtet glaubt niemand, dass er jemals Teil einer Sekte werden könnte. Ein Irrtum.

Selten sind Sektenmitglieder Spinner. Entweder wurden sie in die Gemeinschaft hineingeboren oder sie waren auf der Suche nach einem tieferen Sinn in ihrem Leben. Sekten servieren diese Sinnhaftigkeit auf dem Silbertablett. Sie bieten einfache Lösungen und Antworten auf alle Fragen: Mache xy, dann geschieht z.

Merkmale einer Sekte

Egal wie man zu dem Verhältnis Religion vs. Sekte stehen mag, Sekten haben einige Gemeinsamkeiten, die Religionen nicht haben müssen:

  • Sie erfüllen den gesuchten Sinn des Lebens mit einfachen, praktikablen Lösungen.
  • Personenkult um einen charismatischen Anführer.
  • Gruppendynamik und „us vs. them“-Mentalität: Sekten grenzen sich durch bestimmte Merkmale vom Rest der Welt ab (z.B. Sprache, Kleidung) und kontrollieren zwischenmenschliche Beziehungen.
  • Autonomie und individuelle Freiheit werden massiv eingeschränkt und das Leben der Mitglieder ist streng reglementiert.
  • Elitäre Haltung: Etablierte Weltanschauungen und Wissenschaften gelten nicht mehr. Ausschließlich die Sektenmitglieder wissen, wie die Welt funktioniert. Kritik von Außenstehenden wird als Beweis angesehen, dass die Gruppe Recht hat und interne Kritiker werden bestraft. Versprechen an eine heile Welt (Paradies), weil die jetzige Welt schauderhaft erscheint und nur die Sekte ihre Mitglieder retten kann.

Die folgende Serie von Artikeln stellt einige der bekanntesten Sekten vor, versucht herauszufinden, warum sie so faszinierend sind, und wirft einen Blick auf die wichtigsten Auftritte in der Popkultur. Wir beginnen bei der Geldmachmaschine Scientology, trinken Kool-Aid gemischt mit Zyankali in Jonestown und fliegen in einem Raumschiff mit den Mitgliedern der Heaven’s Gate-Truppe von der Erde. Bitte anschnallen!