Die Wunder des Internets. Wir können anonym Gleitcreme einkaufen, mit fremden Menschen streiten und Dinge wie die grausamsten Arten, sich das Leben zu nehmen für unseren nächsten Roman recherchieren. Ein wundervoller Ort. Es ermöglicht außerdem einer Österreicherin wie mir, US-amerikanisches Late-Night-Fernsehen außerhalb der Staaten zu sehen. Zerstückelt in kleine Clickbaits aber wir wollen uns nicht über kostenlose Unterhaltungsformen beschweren. Wir können unseren liebsten Schauspielern, Musikern, Comedians dabei zusehen, wie sie Alltagsgeschichten erzählen, irgendwas bewerben oder ewig über ihre Kinder quasseln. Wunderbar.

So hat alles begonnen. Berühmten Personen, die halbwegs interessant für mich waren, dabei zusehen, wie sie über sich selbst reden. Mir waren die Moderatoren komplett egal. Zu einem Großteil waren es weiße Männer mittleren Alters, die alle gleich aussahen. Lange Zeit konnte ich die beiden Jimmies nicht auseinanderhalten. Sogar ihre Namen sind ähnlich: Kimmel, Fallon — zwei Silben, doppelte Konsonanten, ein Albtraum. Nichts im Vergleich zu den Namen der Shows: Tonight Show, Late Show, Late Night, Late Late Show… in meinem Kopf drehte sich alles. Aber nach einer Weile fragte mich mein Hirn: Wen magst du von dem ganzen weißen, männlichen Haufen am liebsten? Zwei Namen fielen mir ein: Craig Ferguson und Conan O’Brien.

Schottisch vs. Irisch-Amerikanisch

Craig Ferguson stach heraus mit seinem schottischen Akzent und lockerem Interviewstil. Toll, wenn die Person auf dem Sofa gut Geschichten erzählen oder improvisieren kann. Nicht so toll, wenn der Gast einer von der unsicheren Sorte ist und sich mehr um das eigene Aussehen schert oder Angst hat, etwas Blödes zu sagen. Vorinterviews existieren aus gutem Grund. Einmal habe ich ein Interview mit irgendeinem Darsteller gesehen und es war zum Gähnen. Nicht einmal der charmante Craig konnte mich vor dem Einschlafen bewahren. Da fiel mir die Entscheidung plötzlich leicht. Meine Besessenheit mit dem großen Mann irischer Abstammung war geboren. Sein Humor, seine Mätzchen, seine Haare und natürlich Andy Richter. Alles toppte die anderen Late-Night-Typen.

Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe Jon Stewart und die Daily Show lange vor Conan geliebt und dank Comedy Central Germany konnte ich die gesamte Show sehen. Aber nicht jede Nachricht reist über den Atlantik. Ich habe die halbe Sendung damit verbracht, nach Personen zu googeln, über die Jon sich lustig machte. Ich verpasste eine Menge der Witze.

Zurück zu Conan. Ab dem Herbst 2015 schaute ich die TBS-Show religiös. Aber nicht nur alles, was nach 2015 kam. Nein. Ich ging zurück und begann ab der ersten Sendung vom 8. November 2010. Jeden einzelnen Clip auf teamcoco.com. Ah, die wunderbaren Kopfschmerzen von den langen Stunden vor dem Laptop. Denn das nerdige, zwanghafte Gehirn erlaubt keine halben Sachen. Und jetzt haben sie den Tresorraum zu den sechzehneinhalb Jahren Late Night with Conan O’Brien geöffnet. Wenn ich an einen Gott glauben würde, ich würde ihn anflehen, mir zu helfen. Armer Laptop. Wird nie wieder schlafen.

Warum ich mit dem Schreiben begonnen habe

Warum zur Hölle ist das mit meinem Anfang als Autorin wichtig? Weil ich mir zusätzlich zu Conans eigener Show andere Auftritte von ihm ansehe oder anhöre, wo er auch über seriöse Dinge spricht. Ängste, Depression, Stolpersteine in der Karriere und seine Anfänge als Autor. Er hat mir virtuell in den Arsch getreten und gesagt: „Hör auf über das Schreiben nachzudenken. Fang an zu schreiben!“ Mitten in meiner Quarterlife Crisis ein einfaches aber effektives Rezept gegen das eigene Gehirn, das dir sagt: Du wirst es nie schaffen, du bist nicht gut genug.

Es hörte nicht bei Conan auf. Einige seiner Gäste waren interessanter als andere. Als ich zu ersten Mal Chris Hardwick auf seinem Sofa sah, war ich neugierig. Wer ist der Kerl und was ist dieses „Nerdist“ (jetzt ID10T), über das er redet? Und wegen seines Podcasts habe ich The Writers Panel entdeckt und wegen dem habe ich angefangen, Scriptnotes zu hören. Essenziell für meine Autorenausbildung.

Aber ich komme immer wieder zurück zu Conan, dem Zentrum meines Autorenhirnuniversums. Ich wollte diese Zeilen jetzt schreiben, nicht erst, wenn er aufhört. Denn wenn er in Late-Night-Pension geht, werden viele Menschen über seinen Einfluss auf sie schreiben. Es werden Listen mit den besten Late-Night-Moderatoren existieren und Conan wird in den Top 3 sein. Carson, Letterman, Conan. Jetzt ist ein besserer Zeitpunkt, weil er noch zu sehen ist. Hoffentlich eine ganze Weile.